Vortrag von Michal Kopeček: "Dissident Civic Patriotism and the Comeback of National History in East Central Europe 1969-1989"
Die Forschungsstelle
Die Forschungsstelle Osteuropa (FSO) ist als An-Institut eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung an der Universität Bremen. Sie wird gemeinsam von der Kultusministerkonferenz und dem Land Bremen finanziert. Im Jahre 1982 mitten im Kalten Krieg gegründet, versteht sich die FSO heute als ein Ort, an dem der Ostblock und seine Gesellschaften mit ihrer spezifischen Kultur aufgearbeitet sowie die Transformation und gegenwärtige Entwicklung der Nachfolgestaaten analysiert werden.
Die Arbeit der Forschungsstelle Osteuropa gliedert sich dabei in die vier Bereiche Forschung, Archiv, aktuelle Länderanalysen und Ausstellungen.
Die Forschung findet unter dem Dach „Dissens und Konsens“ statt. Dahinter steht die Annahme, dass abweichende Meinungen, politische Opposition, Renitenz oder Formen von Eigensinn nur im Zusammenhang mit dem politischen System, seinen Diskursen und Repressionsmaßnahmen verstanden werden können. Für die Historiker/innen, Politikwisschenschaftler/innen, Soziologen/innen, Literatur- und Kulturwissenschaftler/innen stehen hierbei folgende Forschungsstränge im Vordergrund:
geteilte Welten von Akteur/innen aus Dissens, Konsens, Staat und Partei
Netzwerk- und Korruptionsforschung
die Funktionsweise (post-)autoritärer Regime
Das Archiv der Forschungsstelle umfasst mehr als 100 000 Dokumente, Fotografien und Kunstwerke von Dissident/innen aus der ehemaligen Sowjetunion, Polen und der ehemaligen Tschechoslowakei sowie in geringerem Umfang aus der DDR und Ungarn. Die sowjetische Abteilung beherbergt neben Samizdat-Zeitschriften und anderen Dokumenten an die 500 persönliche Archive. Darunter befinden sich die Bestände der Schriftsteller Lew Kopelew und Jurij Trifonov, des Philosophen Boris Groys oder des Aktionskünstlers Dmitrij Prigov. Die Ostmitteleuropäische Abteilung besitzt umfangreiche Bestände der polnischen Gewerkschaft Solidarność sowie eine große Bibliothek des drugi obieg (poln.: Zweiter Umlauf) und Briefmarken des Untergrunds. Im tschechoslowakischen Bestand befindet sich eine umfangreiche Bibliothek von Edice Petlice, sowie der Teilnachlass des Fotografen Ivan Kyncl mit 6.000 Negativen. Die ungarische Sammlung hat u.a. Dokumente des Schriftstellers Györgi Dalos zu verzeichnen.
Die von der Forschungsstelle Osteuropa in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde herausgegebenen Länder-Analysen (Online-Zeitschriften) bieten regelmäßig kompetente Einschätzungen aktueller politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen für:
Russland
Polen
Ukraine
Belarus
Kaukasus
Zentralasien
Hier schreiben internationale Expert/innen für die interessierte Öffentlichkeit. Die über 20.000 Abonnent/innen sind Vertreter aus Kultur, Politik und Wirtschaft.
Die Länder-Analysen erscheinen im Abstand von zwei bis vier Wochen und werden von Partnern und Sponsoren unterstützt. Alle Länderanalysen können kostenlos abonniert werden und sind auf unserer Homepage archiviert.
Schließlich konzipiert die FSO immer wieder kleinere und größere Ausstellungen aus dem Fundus des Archivs und stellt Leihgaben für Projekte Dritter zur Verfügung. Von 2000-2004 zeigte sie die Ausstellung „Samizdat“ in Berlin, Prag, Brüssel und Budapest, die ca.100.000 Besucher sahen. Einen Überblick über die Veranstaltungen der FSO finden Sie hier.