Die Zensur sowjetischer belletristischer Literatur in der DDR in den 1970er und 1980er Jahren in der DDR, dargestellt anhand der Genres Dorfprosa und Kriegsroman
Dissertationsprojekt von Ann-Kathrin Reichardt
Betreuer: Prof. Dr. Wolfgang Eichwede (Bremen), Prof. Dr. Siegfried Lokatis (Leipzig)
Laufzeit: seit 2007
Das Dissertationsprojekt untersucht die Zensurpolitik der DDR im Hinblick auf sowjetische belletristische Literatur in den 1970er und 1980er Jahren.
Der Sowjetliteratur wurde eine wichtige Funktion bei der Umsetzung der ideologischen Vorgaben und der Durchsetzung der Kulturpolitik der SED zugeschrieben. Sie galt als richtungweisend für das Schaffen der Autoren in der DDR. Offiziell erfuhr sie deshalb eine besondere Förderung. Trotzdem sahen die Kulturfunktionäre der SED die Notwendigkeit, auch sowjetische Literatur durch alle Instanzen des Zensursystems überprüfen zu lassen, obwohl in der DDR nur Titel erscheinen durften, die in der Sowjetunion bereits zensiert worden waren.
Im Rahmen des Dissertationsprojektes werden die Auswahl- und Zensurkriterien, die strukturellen Veränderungen des Zensursystems der DDR im Untersuchungszeitraum und die Lenkung und Kontrolle der Rezeption sowjetischer Belletristik untersucht. Dies erfolgt exemplarisch anhand der Genres Dorfprosa und Kriegsroman.
Quellengrundlage der Forschungen sind Archivdokumente der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel beim Ministerium für Kultur der DDR, der Abteilung Kultur im ZK der SED und der Verlagsarchive der Verlage Volk und Welt Berlin, Reclam Leipzig und Aufbau Berlin und Weimar. Ergänzend werden Zeitzeugen befragt, die maßgeblich an der Herausgabe sowjetischer belletristischer Literatur beteiligt waren. Die empirischen Befunde werden in den Kontext kulturpolitischer Ereignisse und Entwicklungen in den 1970er und 1980er Jahren gestellt.
Den Untersuchungen liegt die Hypothese zugrunde, dass die Zensurpolitik der DDR gegenüber sowjetischer Literatur in den 1970er und 1980er Jahren von einer wachsenden Diskrepanz zwischen starren Zensurkriterien und einer Übersetzungs- und Veröffentlichungspraxis geprägt ist, in der zunehmend Möglichkeiten gefunden werden, diese Zensurkriterien zu umgehen. Sie ist somit ein Indiz für die zunehmende Erosion des kulturpolitischen Konzeptes der SED in diesem Zeitraum.
