Krisendiplomatie zwischen Bruderstaaten.
Studien zur Kulturgeschichte der sowjetischen Außenpolitik 1953-1968
Forschungsprojekt von Marcus SchönewaldDiplomaten sind Grenzgänger zwischen den Kulturen, die sich in wechselnden Bedeutungshorizonten bewegen und darauf angewiesen sind, ihre Gegenüber in ihren Reden und Taten zu verstehen und sich selbst verständlich zu machen. Die Kommunikation zwischen sowjetischen und westlichen Staatenvertretern scheiterte häufig daran, dass ihnen kein gemeinsames Zeichensystem zur Verfügung stand, das kulturelle Unterschiede nivellierte und Missverständnissen vorbeugte. Dagegen bildeten sich in den wechselseitigen Beziehungen der sozialistischen Bruderstaaten Elemente einer eigenen Kultur der Diplomatie heraus, die bislang kaum untersucht worden sind. In vier Fallstudien zu den diplomatischen Interventionen der Sowjetunion während der Aufstände in der DDR 1953, in Polen und Ungarn 1956 und der ČSSR 1968 sollen sie herausgearbeitet und in ihrer Bedeutung analysiert werden.
Die Konzeption des Vorhabens folgt der Annahme, dass sich gerade an Krisen zeigen lässt, wie sich die theoretisch und propagandistisch entworfenen Vorstellungen von der Bruderschaft der sozialistischen Staaten in den Formen und Gepflogenheiten der Diplomatie niederschlugen. In den Studien soll einerseits nach den gemeinsamen Wahrnehmungs- und Handlungsmustern der Akteure und deren Reichweite gefragt werden. Andererseits sollen die Grenzen kultureller Gemeinschaft nachgezeichnet und erörtert werden, inwieweit auch die Diplomatie zwischen Bruderstaaten interkulturelle Kommunikation blieb: geprägt von Missverständnissen und Sprachbarrieren.
