Räume der Entstalinisierung. Die Lagerauflösung an der Kolyma, 1953 bis 1960
Dissertationsprojekt von Mirjam Sprau
Die Untersuchung richtet den Blick auf Veränderungen in der Region Kolyma (incl. die Halbinsel Čukotka) von Stalins Tod bis zum Ende der 1950er Jahre. Unter dem Fokus von Raumeroberung in der Entstalinisierung geht es dabei von der Frage aus, wie sich die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche nach 1953 in einem Gebiet niedergeschlagen haben, das vollständig von einem der größten stalinistischen Lagerkomplexe durchdrungen war.
Dabei richtet sich der Blick auf die veränderte machtpolitische und infrastrukturelle Durchdringung des Raumes, die die Eroberung durch das Lager und seine Ökonomie ersetzen sollte. Die Verdrängung der absoluten Vormachtstellung des MVD durch die Kommunistische Partei war dafür eine wichtige Voraussetzung.
Zugleich will die Arbeit zeigen, wie sich Leben und Arbeit ehemaliger Häftlinge und der freien Bevölkerung durch diese neuen Eroberungsstrategien und nach Auflösung der Lager gestalteten. Untersucht wird, wie Entlassene und Neuhinzugezogene in dem Gebiet überlebten, welche sozialen und infrastrukturellen Angebote die neue politische Elite für sie schuf und wie die Region kulturell neu definiert werden sollte. Denn unter den Bedingungen der Entstalinisierung kann neben einer veränderten Erschließung und Durchdringung des Gebietes auch von dem Versuch gesprochen werden, den mentalen Raum Kolyma neu zu besetzen.
